Mein Modedesign-Praktikum in Sansibar

Liebe Familie und Freunde,

nach meiner Heimkehr aus Tansania letzten Jahres im Oktober ließ mich Afrika nicht mehr los, so dass ich mich ein paar Wochen später gleich wieder für das nächste Projekt bewarb. Es ist eine Frauenkooperative im Culturel Art Centre auf Zanzibar, welche ich letztes Jahr zufällig bei ein paar Tagen Aufenthalt in Stone Town entdeckte. Nach dem meine Bewerbung bei World Unite! angenommen wurde, holte ich meine Nähmaschine aus dem Dornröschenschlaf und ratterte drauf los. Ich wollte etwas ganz einfaches machen, ohne viel Nähte und natürlich touristenverkaufstauglich. Mit einem mitgebrachten Stoff aus Arusha/ Tansania entstand der erste Prototyp. Einfach nur ein Rechteck diagonal getragen.Die Fotos schickte ich an die Projektleiterin Nell, die diese Idee mit ihren Mitarbeitern begeistert aufnahm.
image
So packte ich meinen Koffer mit Scheren, Nadeln und einer riesengroßen Tüte Garn, die mir noch eine Freundin vorbei brachte. Am 2. Februar ging es dann abends los ab Hannover über Amsterdam und Nairobi. Und diesmal war die Aufregung nicht mehr so groß wie beim ersten Mal. Die Insel kannte ich schon ein wenig, der erste ” Kulturschock” war längst verarbeitet und endlich konnte ich wieder auf Kisuaheli schnakken. Mein erstes “Opfer” war eine Stewardess von Kenia Airways ab Nairobi.

Dank Schlaftablette landete ich am 3. Februar um 10.00 Uhr morgens ausgeruht auf Zanzibar und hielt beim Ausgang, wie verabredet, Ausschau nach dem Schild von World Unite! mit meinem Namen. Nichts. Und dann rief jemand hinter mir Sabine. Zu meiner großen Freude und Überraschung war es tatsächlich ein bekanntes Gesicht. Lukman, ein ehemaliger Mitarbeiter aus meinem letzten Hotel in Stone Town, der nun für die Organisation arbeitet und sich noch an mich erinnern konnte.

Mit einer fröhlichen Taxifahrt ging es dann nach Stone Town zu meiner Unterkunft. Ich hatte nur eine vage Beschreibung von WU! und wusste nur, das es ein Volunteerhouse im alten Viertel ist. Erwartungslos und trainiert von meiner letzten Unterkunft im Slum von Arusha war ich allerdings dann doch völlig begeistert. Ein eigenes Zimmer, wow!!!!! Mit Fenstern, großem Bett und Ventilator. Und jetzt kommt das tollste, nur drei Mitbewohnerinnen, die alle sehr, sehr nett sind.

Nach dem ersten Einrichten, frisch machen und aktivieren der tansanischen Simcard schlenderte ich glücklich grinsend durch die alten, wohl bekannten Gassen und war schon am ersten Abend heiser nur vom grüßen. Das ist hier so, man grüßt jeden und das Grüßen besteht nicht nicht nur aus einem Wort sondern aus mehreren Sätzen.

Aber die Ursache meines Grinsens war nicht nur die Freude wieder hier zu sein, sondern auch die Vorfreude auf den nächsten Tag. Denn jetzt saß schon meine Freundin Annette im Flugzeug, die am nächsten Morgen um 7.20 Uhr auch auf Zanzibar landen sollte. Annette war meine erste Studentin an der FAHMODA und seit dem sind wir ganz dicke. Als ich sie im November aus ” Spaß ” fragte, ob sie nicht mit kommen möchte, kam ein ganz spontanes Ja. Leider nur für zehn Tage, aber immerhin.

Und dann stürzten wir uns gemeinsam in die “Arbeit”. Wir wurden herzlich im Projekt aufgenommen, es gibt sogar zwei Nähmaschinen, damit hatte ich gar nicht gerechnet und anstatt einer Frau, weil ja Frauenkooperative, arbeiteten wir mit einem entzückenden jungen Mann, namens Saleh, zusammen. Saleh arbeitet seit zwei Jahren für das Culturel Art Centre. Vorher war er im Sumahaus, eine Therapieeinrichtung für Drogenabhängige, was er erfolgreich verlassen konnte. Das nähen hat er von seiner Mutter gelernt und träumt nun von einer großen Designkarriere. Das Kleid ging nun in ” Produktion”. Wir kauften die Stoffe im Großhandel ein und fingen mit dem Zuschnitt an. Das alles noch langsamer als im Schneckentempo. Es sollen zwar nur 32 Grad sein, gefühlt sind es aber 50 Grad. Die Nadeln rutschen nur so aus der schweißnassen Hand. Wenn es am Bein krabbelt und kribbelt, denkt man im ersten Moment an kleine Tierchen. Aber es sind Schweißtropfen.

Doch so langsam wurde ein Kleid nach dem anderen fertig, insgesamt nun acht und wir wollen erst mal schauen, wie und ob sie sich überhaupt verkaufen lassen.
Parallel dazu verliefen die Vorbereitungen zum Musikfestival Sauti za Busara, wo wir auch einen Stand hatten und fleißig tapfer bei Gluthitze die Produkte vom Art Centre einem breiten einheimischen und internationalen Publikum vorstellen konnten.
imageimage
image

Als gegen Abend des ersten Tages das erste Kleid verkauft wurde, war die Freude von allen dermaßen immens, das ich sogar bei gefühlten 45 Grad mit Staublunge eine Gänsehaut bekam.
imageimage

Es sind dann tatsächlich fast alle Kleider und Accescoires verkauft worden und wir gehen nun hoch motiviert in Produktion. Saleh arbeitet so toll, das er alles wunderbar auch ohne mich weiter machen kann und so sollte es ja auch sein. Uns bleiben noch zwei Wochen für viele weitere Ideen und ich ” befürchte”, das ich schon bald wieder hier her muss. Dafür fang ich jetzt schon an zu sammeln und bin dankbar für jede Spende im materiellen Bereich wie Garn, Scheren, Steck-und Nähnadeln, Stickgarn, Häkelgarn und Nähmaschinen ( die können auch schon alt und ein wenig schrottig sein-die kriegen hier alles repariert). Ab 3. März bin ich wieder zu Hause und freue mich über jede kleine Garnrolle. Das war es erstmal aus weiter Ferne, ich umarme und grüße ganz herzlich, kwa heri (auf Wiedersehen) siku njema (schönen Tag)

Sabine

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: