Soziale Arbeit in Südafrika – Zähne zeigen, um zu lachen!

Veronika ist Sozialarbeiterin und hat sich als Freiwillige drei Monate lang in Südafrika engagiert. Dabei hat sie ein eigenes Projekt auf die Beine gestellt, dass Zahnersatz für Menschen aus benachteiligten Verhältnissen zur Verfügung stellt. Hier kannst du lesen, wie es zu Veronikas Idee kam:

Mein Einsatz als Freiwillige hat mich von Mai bis August 2019 nach Kapstadt zu TLC Outreach Projects geführt. Ich bin Sozialarbeiterin und es war mir ein großes Anliegen Soziale Arbeit in einem anderen Kontext kennen zu lernen. Da TLC auch mit einer Sozialarbeiterin arbeitet und mit vielseitigen Interventionen versucht, den Menschen in den Townships und auf der Straße Unterstützung zu bieten, habe ich mich direkt für diesen Einsatz entschieden. Und es war ein voller Erfolg!

TLC versucht auf verschiedenen Ebenen Kontakt zu den Menschen in drei verschiedenen Townships aufzubauen und Beziehungen zu den Familien herzustellen. Durch den Einsatz seit über 20 Jahren ist TLC dort überall bekannt und die Kinder freuen sich unglaublich, wenn TLC mit Bastelideen, Sing- und Tanzspielen, aber auch Präventivprogrammen und auch immer etwas Süßem zu Besuch kommt.

Falls eines der Kinder mit 13 Jahren oder älter auf die schiefe Bahn gerät und vorzeitig aus dem staatlichen Schulsystem entlassen wird, nimmt TLC das Kind in ihrer «skills school» auf. Dort haben sie die Möglichkeit mit viel Liebe und Zuwendung, aber auch Strenge und Disziplin, Basisfähigkeiten zu erwerben, um sich mindestens auf eine Anstellung in einer Fabrik oder als VerkäuferIn bewerben zu können. Die Erfolgsrate liegt dabei sicher bei 50%, was ein beeindruckendes Ergebnis ist. Das ist wirklich toll. Ich selbst habe drei SchülerInnen erlebt, die die Schule während meiner Zeit verlassen konnten, da sie einen Job gefunden hatten.

Weiter versucht TLC, Obdachlose zu erreichen und sie zum Besuch ihrer Schule zu bewegen. Dazu suchen sie auf der Straße das Gespräch, kommen abends zum gemeinsamen Gebet und bringen etwas zu essen. Während meiner Anwesenheit bei TLC konnte ich tatsächlich miterleben, wie ein zunächst noch Obdachloser über Wochen keine Drogen mehr konsumierte, später in die Schule kam und zu meinem Abschluss bei TLC auch tatsächlich einen Job gefunden hatte.

Alles in allem ist ein Einsatz bei TLC eine großartige Sache. Die Arbeit ist unglaublich vielseitig, man ist ständig im direkten Kontakt mit den Menschen, man arbeitet überall mit und es wird zu keinem Moment langweilig. TLC macht seine Sache mit viel Herz, Leidenschaft und vollem Einsatz. Ich kann es jeder/m empfehlen, die/der sich einen derartigen Einsatz überlegt, ihn bei TLC zu absolvieren.

Mir war es ein Anliegen in meiner Zeit bei TLC etwas Nachhaltiges zum gegenseitigen Verständnis beizutragen. Ich wollte nicht nur bei der Essensausgabe helfen und mit den Kindern spielen. Lange hielt ich Augen und Ohren offen und diskutierte viel mit meinen MitarbeiterInnen. Ein ehemaliges Projekt von TLC und ein eigenes Erlebnis brachten mich auf folgende Projektidee:

TLC konnte vor einiger Zeit freiwillige Zahnärzten gewinnen, damit diese im mehreren Personen in einer informellen Siedlung namens “Radar” alle schmerzende Zähne zogen. Mehrere Betroffene waren danach vollkommen ohne Zähne. Viele Menschen, die von Armut oder Obdachlosigkeit betroffen sind, haben in Südafrika keinen Zugang zu Zahnversorgung. Oftmals haben schon junge Menschen viele ihrer Zähne verloren oder diese sind in so schlechtem Zustand, dass sie sich kaum mehr trauen zu sprechen.

Diese Menschen in Radar waren nun zwar froh, die schmerzenden Zähne verloren zu haben, aber auf der anderen Seite konnten sie kaum mehr essen und beißen. Sie scheuten sich, ihre leeren Münder zu zeigen und sprachen oft nur noch verdeckt. Als ich bei einer Essensverteilung einer jungen Frau einen Apfel anbot, sagte diese beschämt: «Nein danke, ich kann keinen Apfel beißen.» Oh Gott, war mir das peinlich!

Als ich später mit einer Mitarbeiterin darüber sprach, wurde mir klar, diese Menschen brauchen wieder Zähne, um frei und offen sprechen und lachen zu können.

Ich erkundigte mich: Es gab ein Zahnprothesenlabor in Atlantis, eine Bus-Stunde von TLC entfernt. Dort würden Gebisse zu einem kleinen Preis und ohne Wartezeiten angefertigt. Meine Kollegin erzählte mir, sie habe dort auch ihre Zahnprothese erhalten und es sei alles gut gelaufen. Das Gesundheitssystem in Südafrika sieht zwar Zahnprothesen in ernsten Fällen vor, aber dazu gibt es in ganz Kapstadt nur zwei weit entfernte Kliniken und die Wartezeit beträgt zwischen ein und zwei Jahren. Die BewohnerInnen von Radar würden sich den Weg zu den drei bis vier Terminen in der Klinik nie leisten können und die administrativen Hürden wären in jedem Fall zu hoch. Unter diesen Umständen würden sie nie wieder Zähne erhalten.

Das schien mir der richtige Weg für eine nachhaltige Unterstützung der Menschen:

  • Keine finanzielle Hilfe, die in undurchsichtige Kanäle laufen kann.
  • Keine materiellen Spenden, die verkauft und dann in Drogen oder anderes umgesetzt werden können.
  • Hilfe, die den Menschen ein Stück Selbstwert und Selbstsicherheit wiedergibt und damit ihre Chance auf eine abgesicherte Zukunft erhöht.

Mein Projekt bekam den Namen «Zähne, um zu lachen» – Veronicas Dental Care Project 2019!

10 Menschen wurden von uns, nach einigen Gesprächen mit den Betroffenen und den MitarbeiterInnen, ausgesucht, ich interviewte sie, erstellte kurze Steckbriefe und suchte für sie Patenschaften unter meinen FreundInnen und Bekannten in der Schweiz. Eine Prothese sollte ca. CHF 140.- kosten, Reisekosten und Begleitung durch TLC mitinbegriffen. Auch die Patenschaften waren bald gefunden und wir konnten mit den ersten vier TeilnehmerInnen nach Atlantis in das Labor fahren.

Neben den Gebissen für die Menschen war es mir ein Anliegen, mehr Verständnis füreinander zu entwickeln. So habe ich nicht nur Steckbriefe für die PatInnen erstellt, sondern auch Steckbriefe der PatInnen an die bedürftigen Menschen abgegeben. Sie haben diese Postkarten mit Interesse gelesen, untereinander ausgetauscht und manche gaben mir auch Geschenke für ihre PatInnen nach Hause mit.

In Atlantis wurden Abdrücke genommen und bereits eine Woche später konnten wir dort die ersten Gebisse abholen. Es war unglaublich zu sehen, wie sich die Gesichter und Ausdrücke der vier Menschen mit neuen Zähnen veränderten. Sie hatten Tränen in den Augen und konnten kaum glauben, was sie im Spiegelbild sahen. Es waren wirklich berührende Momente.

Insgesamt konnten wir bis heute für 12 Menschen neue Zähne anfertigen lassen. Man kann anhand der Bilder sehen, wie sehr es die Menschen verändert hat und ich hoffe, sie können daraus weiter Positives erwachsen lassen. Sie sind mir alle ans Herz gewachsen und haben es so verdient!

Veronicas Dental Care Project läuft weiter und wenn jemand dafür mitspenden möchte, könnt ihr einen Beitrag an TLC überweisen unter dem Vermerk «Veronicas Dental Care Project 2019». Wir geben diesen Menschen eine neue Perspektive indem sie wieder ungehemmt sprechen und sich präsentieren können. Sie erhalten eine neue Chance mit ihrem natürlichen Lächeln.

Falls ihr weitere Fragen haben solltet, könnt ihr mich gerne unter info@world-unite.de kontaktieren. Gerne gebe ich euch weitere Infos zum Projekt!

Danke an TLC, an Colleen (Leiterin von TLC) und an Emma, dass ich «Zähne, um zu lachen» umsetzen konnte!

Veronika, Schweiz 2019

Hier findest du alle Infos zu Veronikas Projekt.

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