Als Freiwillige in Indien während der Covid-19-Pandemie

Carin gemeinsam mit weiteren Freiwilligen beim Verteilen von Lebensmittelspenden im ländlichen Indien
während der Corona-Pandemie.

Be part of Sambhali Trust: we act and make a difference! Carin aus Deutschland hat sich aktiv dafür entschieden, ihren Freiwilligeneinsatz in Indien auch während der Covid-19-Pandemie fortzusetzen. Welche Auswirkungen die Pandemie auf das Leben der Menschen in Indien hat und warum ihre Arbeit als Freiwillige gerade jetzt besonders gebraucht wird, beschreibt sie hier.

Es ist dunkler Abend und ich sitze unterm sternklaren Himmel in Dev Bagh inmitten der indischen Wüste Thar in Rajasthan (ca. 1,5 Autostunden nahe Jodhpur). Mein Herz schlägt noch laut. Die Stimmung ist fast mystisch, da der Vollmond zum Greifen nah vor mir steht.

Gerade sind wir von unserer ersten Basic-Food-Distribution zurückgekommen. Unser Kopf ist voll von diesen Erlebnissen, aber keiner kann darüber sprechen, weil diese Tour durch die Wüste uns so tief berührt hat.

Wir haben die ärmsten Familien in ihren kleinen Häuschen besucht. Behausungen, in denen es eine Feuerstelle gibt und etwas Brennholz. An den Wänden hängen ein paar Decken, die nachts als Schlaflager auf dem Boden ausgebreitet werden. Als ich eine Hütte betrat, streifte mein Haar eine Zahnbürste, die ordentlich in das Strohdach bis zum abendlichen Gebrauch gesteckt war. Manchmal gibt es ein paar Ziegen, die den Kindern am Morgen Milch spenden können oder einen Hund, der den Nachtschlaf bewacht. Die Hitze ist allgegenwärtig und die Stürme peitschen den Sand über Körper, Gesicht und Augen.

Hier im ländlichen Rajasthan hatte die COVID-19-Pandemie sofort existenzielle Auswirkungen: Durch den Lockdown wurde der Steinbruch für Wochen geschlossen. Der Familienvater verliert seine Arbeit; es gibt keine Kurzarbeit und keine Arbeitslosenabsicherung. Die Kinder können nicht mehr auf den kommerziellen Feldern helfen, so dass ihr geringer Verdienst auch entfällt. Über Nacht wurde den Familien die spärliche Existenzgrundlage entzogen.

Sambhali Trust hat diese lebenskritische Situation in der Wüstenregion Setrawa schnell erkannt und sich mit den örtlichen Räten zusammengesetzt. Die ärmsten Familien wurden von Field-Workern (eine Art Sozialarbeiter) identifiziert und ein Einsatz zur Versorgung mit Basic-Food-Packages gestartet. Ein Team aus ausländischen und indischen Freiwilligen besorgt täglich Mehl, Linsen, Zucker, Salz, Tee und Gewürze und verpackt diese in 14-Tage-Rationen. Ein Foodpackage kostet ca. 15 € und versorgt eine Familie mit 5-6 Personen mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln für einen halben Monat.

Schauen wir ein paar Wochen zurück – unser Leben in Indien vor Covid-19:

Vor Covid-19: Spielerisches und interaktives Lernen in der Dorfschule steht auf dem Plan.

Mitte Januar reiste ich nach Indien/ Rajasthan, um als Freiwillige benachteiligte Kinder und Frauen zu unterstützen. Sambhali Trust hat uns wie eine Familie aufgenommen. Ich bin für Sambhali Trust im ländlichen Indien im Wüstendorf Setrawa tätig. Vormittags unterrichteten wir in den staatlichen Schulen Englisch – in einer völlig anderen Art, als das indische Schulsystem es momentan vorsieht. Wir verbreiteten Spaß am Lernen mit Liedern, Spielen, Lernvideos und Workshops. Unsere Schüler/innen trafen wir auch auf dem Weg zur Schule oder nachmittags beim Sunset-Spazierung zu den Dünen. Auch hier spielten wir „Englisch“ miteinander und erkundeten gemeinsam das Lebensumfeld inmitten der Wüste Thar.

Die Armut ist sehr bewegend, weil wir uns das vorher nicht so hätten vorstellen können. Das Herz ist weit und tief berührt. Die Kinder sind so offen, herzlich, lernwillig und strahlen unbefangen voller Freude.

Die Projekte im ländlichen Rajasthan von Sambhali Trust, zusammengefasst unter dem Namen “SETU”, hat mehrere Stufen, die die wir nacheinander aufbauen wollen. Am späten Nachmittag haben wir in unserem Wohnhaus „Dev Bagh“ zusätzliche Englisch-Stunden für alle Kinder und Jugendliche der Umgebung angeboten. Die Schüler/innen sind direkt nach der Schule zu Fuß über mehrere Kilometer zu uns gelaufen. In nach Alter eingeteilten Gruppen haben wir English-Dialoge geübt, Lernspiele gespielt oder Motivations-Movies (z.B. „I am Kalaam“, Nelson Mandela) geschaut und darüber in English diskutiert.

In der Stunde vor Sonnenuntergang verwandelte sich der Platz um das Wohnhaus in ein Spielfeld für Sport und Aktivitäten für die ganze Dorfcommunity. Wir spielten Cricket, Volleyball, Fußball, veranstalteten Rennen und lernten indische Tänze mit den Mädchen und Jungs.

Mit dem Lockdown konnte dies alles nicht mehr stattfinden und die Projekte von Sambhali Trust mussten stillgelegt werden. Für uns Volunteers stellte sich die Frage: Wie wollen wir persönlich mit der COVID-19-Pandemie umgehen?

Warum ich mich entschied, auch während Corona in Indien zu bleiben

Eines ist klar: In Krisen brauchst du eine Familie, die zu dir steht – eine Familie, in der wir füreinander sorgen und uns gegenseitig liebevoll stützen. Daher haben viele europäische Familien darauf gedrängt, dass Volunteers zurückreisen. Ein Team von mehr als zehn ausländischer Freiwilligen hat sich allerdings dafür entschieden, die Arbeit von Sambhali Trust vor Ort weiter zu unterstützen.

Govind Singh Rathore und seine (Groß-)Familie hatten uns schon von Beginn an herzlich und non-stop in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Mit Beginn der Covid-19-Ausbreitung zogen wir Freiwillige uns gemeinsam mit Govinds Familie in die Selbstisolation nach Setrawa und in unser Wohnhaus Dev Bagh zurück. Dadurch wurde unsere Gemeinschaft noch gestärkt.

Jederzeit werden wir mit aktuellen Informationen versorgt, wir spielen und lachen zusammen, wir führen Unterhaltungen in bis zu fünf Sprachen, wir kochen zusammen und teilen uns die Hausarbeit, wir sporteln zusammen und genießen die Natur – und wir kämpfen gemeinsam gegen die COVID-19-Pandemie. Seite an Seite, von Herz zu Herz.

Sicherheits- und Hygienemaßnahmen für uns und andere

Wir passen selbst gut auf uns auf und beachten die Vorsorgemaßnahmen: Mindestabstand einhalten, Maske tragen, Hände waschen und desinfizieren, nicht anhusten oder anniesen.

Neben der Basic-Food-Distribution für 251 Familien sorgt Sambhali Trust auch für die Aufklärung der Bevölkerung zur gesundheitlichen Vorsorge und hat u.a. Seifen an 810 Familien verteilt. Die nationale Presse berichtet intensiv über unsere Projekte.

Mittlerweile haben wir zum dritten Mal die Familien mit den Food-Packages versorgt; wir sind dankbar für internationale Unterstützung und dass wir vor Ort persönlich helfen können. Jeden Tag nach dem Mittagessen packen wir gemeinsam im Ressort die Food-Packages und senden unser täglich wechselndes Team mit vielen stärkenden Wünschen los.

Zum Sonnenuntergang warten wir gespannt auf die Rückkehrer, empfangen sie mit Desinfektionsmittel (Insider-Joke: unsere Freude, unseren Spaß kann uns auch COVID-19 nicht nehmen) und würzigem Masala-Chai und hören im warmen Sand sitzend die Berichte über die Dankbarkeit und die offenen Herzen der Einheimischen in unserer Umgebung – der Freunde, Familien und Verwandten unserer lachenden Schüler/innen.

Ich bin dankbar erfüllt davon, Teil von Sambhali Trust zu sein!

We act and make a difference! Fighting against the COVID-19-Pandemic globally – connecting our hearts internationally!

Carin aus Deutschland

Hier kannst du alles über Carins Freiwilligeneinsatzstelle Sambhali Trust nachlesen!

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