Famulatur auf der Insel Sansibar, Tansania

Pia aus Deutschland hat einen Teil ihrer Famulatur im Mnazi Mmoja-Krankenhaus auf Sansibar absolviert. Hier berichtet sie über kulturelle Unterschiede in der Medizin, einem typischen Tagesablauf im Krankenhaus und wie sie ihre freie Zeit auf Sansibar verbracht hat.

Pia wollte ihre Famulatur im Ausland absolvieren, um Erfahrungen zu sammeln und um sich selbst weiter zu entwickeln.

Welches Praktikum hast du im Ausland absolviert und wo?

Ich habe einen Teil meiner Famulatur auf Sansibar, Tansania absolviert. Im Krankenhaus war ich fünfzehn Tage tätig. Die restlichen eineinhalb Monate habe ich in deutschen Krankenhäusern verbracht. Ebenso die Einsätze in den ambulanten Einrichtungen habe ich in Deutschland abgearbeitet. Auf Sansibar, im Mnazi Mmoja Hospital, war ich in meiner Zeit dort in der Pädiatrie eingeteilt. Auch hatte ich Einblicke in den Kreissaal. Diese Erfahrung habe ich gemeinsam mit einer guten Freundin aus dem Studium im Sommer 2019 geteilt.

In welchem Semester hast du dein Auslandspraktikum absolviert?

Ich habe meinen Auslandseinsatz in den Semesterferien meines 6. Semesters gemacht.

Warum wolltest du deine Famulatur im Ausland absolvieren?

Ich habe mich aus vielen verschiedenen Gründen dafür entschieden einen Teil meiner Pflichtpraktika im Ausland zu machen. Zum einen hatte ich schon Freunde aus höheren Semestern, die mir wärmstens ans Herz gelegt haben so etwas zu erleben, um Erfahrungen zu sammeln und mich selbst weiter zu entwickeln. Auch hatten diese Freunde teilweise ihren Einsatz auch auf Sansibar verbracht und waren total begeistert von ihrem Aufenthalt. Ebenso wollte ich mal die medizinische Versorgung in einem anderen Land kennen lerne. Afrika hat mich da besonders gereizt. Ich wollte gerne einmal das Gesundheitssystem in Deutschland mit dem in einem anderen (Entwicklung-)Land vergleichen. Gespannt war ich auch einmal auf eigenen Beinen zu stehen und mich auch mal mit der Medizin in englischer Sprache auseinander zu setzen. Auch hatte ich gehofft neue Leute kennen zu lernen und internationale Freundschaften zu knüpfen.

Wie bist du auf World Unite! gestoßen?

Auf World Unite! bin ich durch das Internet gekommen. Die informative Seite hat mich direkt angesprochen und ich konnte auch durch eine Mitarbeiterin persönlichen Kontakt aufnehmen, die mir jegliche Fragen beantworten konnte. Eine schnelle Antwort hat man über den WhatsApp Kontakt bekommen. Ebenso hatte ich Freunde, die ihren Aufenthalt auch auf Sansibar durch World Unite! verbracht haben. Durch die habe ich zusätzlich die Empfehlung zu dieser Organisation bekommen. Auch haben nicht so viele Seiten den Standort Sansibar angeboten und hier wollte ich auf jeden Fall hin.

In welchen Abteilungen hast du deine Famulatur absolviert? Warst du die gesamte Zeit über in einer Abteilung tätig oder hast du verschiedene Abteilungen kennen gelernt?

Ich habe meine Famulatur in der Pädiatrie verbracht. Rotiert bin ich nicht. Allerdings war es auch kein Problem mal im Kreissaal vorbei zu schauen und hier Einblicke sammeln zu können. Auch habe ich von anderen Studenten oder Pflegern gehört, die rotiert sind. Dies hat allerdings erst bei einem längeren Aufenthalt Sinn ergeben. Bei 15 Tagen lebt man sich am besten auf einer der Stationen ein. Die Pädiatrie hat im Mnazi Moja Hospital allerdings zwei Etagen auf denen man dann intern noch rotieren kann. Unten lagen zum Beispiel die Kinder in Überwachungszimmern, sowie Frühgeborene Kinder. Oben lagen dann eher die Kinder mit Unterernährung und Diarrhö. So hat man auch eine breite Palette an Kranksheitsbildern mitnehmen können. Auch gab es eine akut Sprechstunde für Eltern mit ihren Kindern wo jeden Tag ein anderer Spezialist anwesend war. Insgesamt kann ich die Pädiatrie empfehlen.

Wie läuft ein typischer Arbeitstag im Krankenhaus ab? Wie waren deine Arbeitszeiten und welche Aufgaben hast du bekommen?

Das Arbeiten auf Sansibar ist anders als in den europäischen Ländern eher entspannter. Zuerst lässt sich sagen, dass man so viel oder wenig da sein kann wie man mag. Es werden keine Fragen gestellt, wenn man mal verfrüht gehen will oder an einem Tag zu spät erscheint. Natürlich kann man auch den ganzen Tag bleiben und bei verschiedenen Tätigkeiten beobachten oder selbstständig tätig werden. Beginnen tut der Tag morgens mit einer Frühbesprechung der Pädiater. Hier durfte man gerne anwesend sein und das Geschehen verfolgen. Danach ging es für die Ärzte wieder auf Station. Hier erfolgt dann die Visite. Man geht mit der zuständigen Ärztin durch die Zimmer und guckt sich jedes Kind ganz genau an. Es wird von den Schwestern Blut abgenommen und auch Vigo gelegt. Die Ärzte ordnen dann die Therapie an und stellen Diagnosen. Für jedes Kind und die Eltern wird sich immer viel Zeit genommen. Wir hatten eine sehr nette Ärztin, die immer gerne alle Fragen beantwortet und übersetzt hat. Die meisten verstehen nur Swahili und kein Englisch wodurch eine eigene ausführliche Anamnese sehr schwer wurde. Das Medizin Studium in Tansania wird allerdings auch auf Englisch unterrichtet. Einheimische Studenten konnten deswegen auch gutes Englisch mit einem sprechen. Meistens war diese Visite zwischen elf und zwölf beendet und man konnte je nach Lust und Laune sich entweder einen schönen Tag am Strand machen oder noch etwas bleiben und gucken ob man gebraucht wird. Selten war ich jedoch länger als zwölf Uhr anwesend, da dann noch kaum ärztliche Tätigkeiten bei den Kindern die stationär aufgenommen sind erfolgen.

Beschreibe eine Situation, die dich während deiner Famulatur überrascht hat!

Ich beschreibe jetzt eine Situation die nicht unbedingt schön ist, die mich jedoch sehr zum Nachdenken angeregt hat. Während meines Aufenthaltes lag ein ca. vier Monate altes Kind stationär überwacht auf unserer Etage. Es war seit bereits zwei Wochen komatös und man ging von Meningitis (Hirnhautentzündung) aus. Diese wurde mit Antibiotika behandelt. Anders als in Deutschland wurde aber nicht der Erreger klassifiziert um eine spezifische Therapie einleiten zu können. Als eine weitere Woche verstrichen war, in der das Kind nicht aufgewacht ist, stellten die Ärzte den Verdacht auf eine virale Meningitis, statt einer zuvor behandelten Bakteriellen. Hier verabreichten sie dem Kind Virostatika. Allerdings auch ohne Zustandsveränderung. Am Ende unseres Aufenthaltes wurde dann doch noch mal ein Kopf CT gemacht. Man sah einen Tumor der die ganze Gehirnhälfte des Säuglings in Anspruch genommen hatte. Das war schon sehr schockierend, da dies erst nach Wochenlanger komatöser Phase des kleinen Kindes entdeckt wurde. An dieses Kind denke ich manchmal heute noch.

Was hast du während deiner Auslandsfamulatur gelernt?

Ich habe in meinem Austausch viel gelernt. Weniger fachliches Wissen für mein Studium, jedoch viele Erkenntnisse für mein weiteres Leben. Auch habe ich wie erhofft viele Freundschaften geschlossen und bin durch die Reise in meinem Englisch auch viel besser geworden. Auch kann ich stolz auf mich sein, dass ich das alles in einem Fremden Land so gut hinbekommen habe. Die afrikanische Kultur und das Leben in einem afrikanischen Land haben mich auch viele Dinge jetzt hier in Deutschland mehr wertschätzen lassen und nicht mehr alles als selbstverständlich anzusehen.

Welche kulturellen Unterschiede hast du zwischen den medizinischen Systemen / Behandlungen / Arzt-Patienten-Beziehungen usw. in deinem Gastland und deinem Heimatland beobachtet?

Es war sehr spannend zu sehen was für andere Krankheiten in Afrika auf der Station liegen, als auf einer Deutschen. Zum Beispiel Kinder mit Sichelzellanämie, die es hier zwar auch gibt, aber was hier eher eine seltene Erkrankung ist. Auch liegen dort Kinder mit Unterernährung, wohingegen ein Deutscher eher wegen Adipositas und Bluthochdruck behandelt wird. Auch habe ich zu schätzen gelernt was wir hier in Deutschland für tolle diagnostische und therapeutische Möglichkeiten haben, die es in Afrika leider nicht gibt. In Deutschland bricht man sich ein Bein und steht kurz später auf dem Fußballplatz und treibt Sport. Einheimische in Afrika sagen, dass sie sich nicht trauen Fußball zu spielen, da wenn sie sich mal ein Bein brechen vielleicht nie mehr gehen könne. Zum einen weil der Standard im Krankenhaus dort sehr viel anders ist und zum anderen viele sich die Therapie auch nicht leisten können.

Wie hast du deine freie Zeit auf Sansibar verbracht?

In Stone Town selbst hat man unendlich viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Am besten man unterhält sich dort mit den Einheimischen um die Insider Tipps zu bekommen. Auch kann man überall handeln uns selber Preise vereinbaren. Deswegen sollte man nicht die Standard Tours für Touristen buchen. Stone Town hat eine Dalladalla Verbindung fast überall hin auf die Insel. Von hier aus kann man Spice Tours machen, in den Jozani-Forest fahren oder mit einem Boot nach Prison Island übersetzen. Sehr zu empfehlen ist der Night Market und die vielen Bars in denen auch Karaoke angeboten wird. Von World Unite! selbst ist ein gemeinsamer Nachmittag einmal die Woche in einem Café organisiert und einmal die Woche ein gemeinsames Pizzaessen von allen Freiwilligen aus verschiedenen Projekten. Das ist natürlich alles ein Kann und kein Muss. Ich kann es sehr empfehlen, sich nach seiner Zeit im Freiwilligendienst noch Zeit zu nehmen und über die ganze Insel zu reisen. Ich würde es jederzeit wieder machen und kann es jedem nur empfehlen.

Hier findest du alle Infos zu Pias Medizinpraktikum auf Sansibar und wie du dich bewerben kannst!

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