Annikas unvergessliche Zeit im Mother Nature Camp in Sansibar

Annika aus Deutschland beschloss während der COVID-19-Pandemie, im September 2020, nach Sansibar zu reisen und verliebte sich in die tropische Insel. Sie unterstütze das Mother Nature Umweltschutzcamp im Regenwald für 2 Monate und hatte eine tolle Zeit. Im heutigen Blog-Beitrag möchte sie von einigen ihrer Erfahrungen berichten.

Mother Nature Umweltschutzcamp

Umringt von riesigen Mangobäumen, rankenden Maracujapflanzen und hohen Palmen, befindet sich das Mother Nature Camp von World Unite!, welches für die nächsten Wochen mein neues Zuhause ist.

In der Mitte des Zeltplatzes befindet sich ein Gemeinschaftsbereich mit großem Holztisch und Bänken, zwei Hängematten und einer Tischtennisplatte. Dort werden die täglichen Mahlzeiten zusammen eingenommen, spielen wir abends Karten, treiben Sport oder trinken Tee. Wer lieber Zeit für sich verbringt, kann sich in sein Schlafzelt zurückziehen, das vom Personal nicht ohne Rücksprache betreten wird. Die Schlafzelte mit je 3 Stockbetten, WC und Duschecke könnt Ihr euch wie richtige Expeditionszelte vorstellen. Nachts ärgern uns manchmal Bush Babys, die mit ihrem Geklettere auf den Zeltdächern und ihren hohen Lauten ganz schön Radau machen.

Unser Camp grenzt an das kleine Dorf Kitogani. Cafés und Restaurants gibt es hier nicht, aber Gemüsestände und einen kleinen Supermarkt am Wegesrand, wo man ein paar Dinge kaufen kann. Am Abend sitzen die Kitoganis gern vor den alten Röhrenfernsehern direkt an der Straße, wie in einem Kino zusammen, und fiebern beim Fußball mit.

Besonders spannend finde ich, wie die Gärten und Höfe intensiv genutzt werden. Was für uns auf den ersten Blick unordentlich aussehen mag, entpuppt sich als funktionstüchtiges Ökosystem, abgesehen vom herumliegenden Plastikmüll. Aus jeder Wurzel, Rinde, Blatt und Frucht machen die Einheimischen noch irgendetwas Nützliches.  

Es ist beinahe unmöglich, sich im Camp nicht sofort wohlzufühlen, die Freiwilligen werden wie in eine große Familie aufgenommen. Ich hatte für alles, was mir auf dem Herzen lag, einen Ansprechpartner und fühlte mich sehr schnell mit allem vertraut.

Jeden Tag werden wir von Zainab liebevoll mit verschiedenen lokalen Spezialitäten bekocht. Auch wer besonders viel isst, braucht keine Sorgen haben, denn es gibt immer Nachschub. Selbst Vegetarier und Veganer sind hier gut aufgehoben.

Meine Anreise in Zeiten von Corona

Ich hatte natürlich wie die meisten Bedenken, während der Corona-Pandemie nach Tansania zu reisen. Doch durch meine Vorbereitung und durch den Support der  Mitarbeiter*innen von World Unite! – sowohl international als auch vor Ort – fühlte ich mich wohler und konnte meine Reise nach Afrika beginnen.

Dreimal wurde der Flug verschoben, bevor ich mit Qatar Airlines abhob. Während des gesamten Fluges musste ich zusätzlich zur Mund- und Nasenmaske ein Visier tragen, hatte aber dafür eine ganze Sitzreihe für mich allein. Als ich in Sansibar ankam, schien Corona kein großes Problem mehr zu sein. Es war jedoch sehr klar, dass die Sansibari aufgrund der ausbleibenden Touristen extrem unter einer Wirtschaftskrise leiden.

Welche Arbeit wartete auf mich?

Nach den ersten Tagen des Ankommens bekamen wir von Mr. Mohammed einen Wochenplan mit unterschiedlichen Tätigkeiten, die in der Entwicklungshilfe wichtig sind. Durch die abwechslungsreiche Arbeit bekommst du Einblick in das Leben der Einheimischen, in den Schulalltag und in die Tierwelt der Insel. Mr. Mohammed erstellt dann einen Wochenplan, bei dem du deine Wünsche äußern kannst. An einem typischen Arbeitstag arbeitest du vormittags ca. 3 Stunden und am späten Nachmittag nochmals ungefähr 2 Stunden. Hier ein paar der Aktivitäten:

Schildkröten

Im Turtles & Tortoise Land gibt es grüne Meeres- und Landschildkröten, wie beispielsweise die Aldabra-Riesenschildkröte. Zu den Aufgaben der Freiwilligen gehört das Futtersammeln, Füttern und das Putzen der Gehege und Tiere. Dafür werden dien die bis zu 60 kg schweren Meeresschildkröten mithilfe der Mitarbeiter aus dem Wasser gehoben und anschließend sanft mit Sand und Bürste gesäubert.

Organic Farm

Die meiste Zeit arbeite ich auf Plantagen. Hier helfe ich den Einheimischen, zu wässern, zu düngen und Unkraut zu jäten. Dabei lerne ich eine Menge über die Pflanzen; zum Beispiel auch wie man Mangroven pflanzt. Auf den Feldern wird nur früh morgens und abends gearbeitet, denn sonst ist es zu heiß.

Nursery School

Schon von klein auf habe ich davon geträumt, Kinder in Afrika zu unterrichten. Dieser Traum ist hier wahr geworden. Sobald wir in die Klasse kommen, winken uns die 4- bis 5-Jährigen fröhlich zu und schreien laut Jambo Jambo.

Unsere Aufgabe ist, die Kinder mit Englisch etwas vertrauter zu machen. So lehrten wir ihnen die Wochentage, Zahlen bis 20, sowie englische Kinderlieder.

Und vieles mehr

Es gab viele andere Aktivitäten, abhängig vom Bedarf der örtlichen Gemeinde. So haben wir beim Bau der Schultoilette oder der Moschee geholfen.

Außerdem war ich noch beim local healer, welche uns von Heilpflanzen und ihren Wirkungen berichtete. Außerdem verbrachten wir einen Tag bei einer einheimischen Familie und erhielten so einen Einblick in ihren Alltag.


Die Unterstützung lokaler Farmer gehört zu den Hauptaktivitäten

Die Wochenenden sind frei – der volle Kontrast

Die Wochenenden sind frei und beginnen am Freitagnachmittag. Es liegt an dir, was du tun und entdecken möchtest – es gibt wirklich so einiges!

So habe ich mit den anderen Freiwilligen, mit denen ich mich innerhalb kürzester Zeit angefreundet habe, einige nette Ausflüge unternommen.

Wir besuchten Stonetown und Prison Island, waren Wellenreiten, Kitesurfen, schnorcheln, beim Yoga und auf Strandpartys sowie in einem Maasai Dorf. Wir machten auch einen Trip aufs Festland nach Dar-es-Salaam und erlebten sogar eine sagenhafte Safari.

Am häufigsten jedoch hielten wir uns an atemberaubenden, paradiesischen Stränden mit azurblauem und smaragdgrünem Wasser auf. Das Tolle dabei ist, dass der Strand von Paje nur 15 Minuten mit dem öffentlichen Bus (Daladala) entfernt liegt.

Auf kleinster Entfernung zwischen Regenwald und Touristenstränden wird der Zwiespalt der Insel überdeutlich – die Kluft zwischen Armut und Reichtum, Schlichtheit und Glanz, Tradition und Tourismus. Die Wohnungen der Einheimischen bestehen aus Lehm und Korallen oder sind Plattenbauten aus den DDR-Zeiten – als Geschenk Walter Ulbrichts.  

Im Vergleich zu europäischen Ländern ist das Leben auf der Insel im Indischen Ozean unschlagbar günstig. So kostet eine Fahrt mit dem Daladala zum Strand umgerechnet 17 Cent und ein Besuch in einem lokalen Restaurant ab 2€. Für die Sansibari allerdings ist das viel Geld. Die Nursery School, in der ich arbeite, kostet monatlich ca. 1€ Schulgeld, doch viele Eltern sind leider nicht in der Lage, dieses Geld aufzubringen. Die Mehrheit hat auch, aufgrund des extrem geringen Einkommens, noch nie die Insel verlassen.

Der Umwelt zum Vorteil wird deshalb alles benutzt, bis es wirklich auseinanderfällt und nicht mehr zu reparieren ist: abgenutzte Reifen als Zaun oder Sitzgelegenheit, alte Kanister als Gießkannen, leere Reissäcke als Blumentopf und Lappen aus Kleidungsfetzen. Wir Touristen sollten uns ein Beispiel nehmen an dieser Form der Nachhaltigkeit!

Am Strand hingegen sind die Touris. Prächtige Hotels mit Pool säumen die Küste. Das Leben der Urlauber mischt sich hier selten mit dem der Einheimischen, sondern verläuft eher parallel, bis auf das Zusammentreffen, wenn sie Früchte, Kleidung oder selbstgemachten Schmuck anpreisen. Man sieht Tourist*innen in knapper Kleidung, während die Mehrheit lokaler Frauen Kopftuch trägt. Touristenattraktionen wie z.B. Wassersport sind auch für uns eher teuer.

Unser Fortbewegungsmittel vom Camp zum StrandDaladala

Da nur wenige Sansibari ein Motorrad, geschweige denn ein Auto besitzen, sind die Einheimischen auf den lokalen Bus – Daladala – angewiesen.

Auf den Dächern der lastwagenähnlichen Gefährte tummelt sich von Mehlsäcken bis hin zu Fahrrädern so allerlei. Auch drinnen geht es turbulent zu, denn trotz Bananenstauden, Kartoffelsäcken und Kanistern im Durchgang wartet der Bus oft, bis alle Plätze besetzt sind. Und ein Bus gilt quasi nie als zu voll. Egal wie viele Meschen und auch manchmal Hühner im Daladala sind, können sich weitere die noch mitwollen, dazu quetschen.

Als ich an einem Samstag mit meiner neuen Freundin in den Daladala einstieg, jubelten alle und es lief laut Musik. Als wir losfuhren, begann sogleich mehr als die Hälfte zu tanzen, bis der Bus wackelte. Wie sich herausstellte, war unter ihnen eine Gruppe Lehrer, die an Samstagen eigentlich arbeiten müssen, sich aber heute frei nahmen mit der Entschuldigung: to refresh our mind. Eine ziemlich wilde Truppe, die im Anschluss noch viele Selfies mit uns machen wollte. Was für eine Lebensfreude!

Wenn mir der Fahrtwind dann durch die Haare weht und vielleicht sogar Afrikas Abendsonne entgegenstrahlt, inmitten der Sansibari, bin ich einfach nur dankbar für dieses unvergessliche Erlebnis auf Sansibar!

Pole Pole

Als ich mir die wichtigsten Wörter auf Swahili im Reiseführer ansah, war Pole Pole (langsam oder ruhig ruhig) unter den Top-5, was mir zuerst zufällig ausgewählt zu sein schien, doch schon am Tag meiner Ankunft begann ich, es zu verstehen.

Hier, auf Sansibar, läuft alles sehr gelassen ab. Im Vergleich zum hektischen Deutschland ist im Leben auf der tansanischen Insel Stress total fehl am Platz. Das macht Sansibar auch zu der perfekten Relax-Insel. Wer zu Beginn noch genervt von langen Wartezeiten ist, merkt wahrscheinlich recht schnell, wie gut die Entschleunigung tut und wie wahr Sprüche wie in der Ruhe liegt die Kraft eigentlich sind. In meinem Sansibar-Reiseführer steht getroffen formuliert: alles funktioniert – nur eben anders.

Hier findest du weitere Informationen zu Annikas Projekt.

Wir sind uns sicher, dass Annika manchmal noch von diesen Sonnenuntergängen träumt!

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